erotische Geschichten

 

LESBISCHE WEIHNACHTSGESCHICHTE

 

DIE JÄGERIN

 

 

SÜßER DIE GLOCKEN NIE KLANGEN...

 

"Ich habe keine Lust dazu, Tina. Ich bin noch nicht so weit!"

Hella drückte sich noch tiefer in den Sessel und verschränkte die Arme. Ihre beste Freundin konnte schrecklich beharrlich sein, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.

"Jetzt hör mir mal gut zu, Helena!"

Hella rollte mit ihren dunkelbraunen Augen, dass nur noch weiß zu sehen war. Wie früher die Mutter, benutzte Tina den Taufnamen, wenn sie der Unterhaltung eine ernsthafte Wendung oder mehr Nachdruck verleihen wollte.

"Ja, Martina?" konterte Hella.

Zufrieden registrierte sie das wütende Aufblitzen in deren Pupillen. Aber ihre Hoffnung, das Gespräch damit in eine andere Richtung zu lenken, wurde nicht erfüllt. Tina pustete eine störende Haarsträhne aus dem Gesicht, bedachte Hella mit einem eindringlichen Blick und setzte die Strafpredigt unbeeindruckt fort.

"Seit Ewigkeiten sitzt du nur in deiner Bude herum! Arbeitest wie eine Bekloppte, gehst einkaufen, wenn es nötig ist und das war es auch schon. So geht das nicht weiter!"

Hella senkte den Kopf und fuhr mit der Hand durch ihre kurzen, schwarzen Locken. Der Verstand gab der Freundin recht, aber im Herzen schmerzte es immer noch.

Als ihr zehntes gemeinsames sollte Weihnachten vor einem Jahr etwas ganz Besonderes werden. Wurde es auch. Hella fand einen Abschiedsbrief unter dem liebevoll geschmückten Lichterbaum. Während andere das Fest der Liebe und Erlösung feierten, stürzte Hella in abgrundtiefe Verzweiflung und Trauer. Ohne Tina hätte sie diese Zeit nicht durch gestanden.

"Ich habe beschlossen, das nicht mehr mit anzusehen! Wenn du unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen willst, wirst du am 24. bei meiner Party erscheinen! Hast du verstanden?"

"Das ist Erpressung!"

"Mag sein! Aber für vernünftige Argumente bist du ja nicht zugänglich!"

Hella zupfte unsichtbare Fussel aus dem Bezug, während sich in ihrer Mimik der innere Kampf widerspiegelte.

"Ich habe nichts zum Anziehen", murmelte sie nach einer Weile.

Über Tinas Gesicht huschte ein erleichtertes Lächeln. Sie hatte gewonnen. "Ich weiß, dass du sehr abgenommen hast, aber in deiner Jeans siehst du sehr süß aus und eine Bluse dazu wird sich ja wohl noch finden!" Aufmunternd strich sie Hella mit dem Handrücken über die Wange und stand auf. "So, ich muss los. Es ist noch einiges zu organisieren. Damit du keine Ausrede mehr findest, werde ich dich übermorgen persönlich um acht abholen. Alles klar?"

Mit einem bejahenden Nicken ergab sich Hella.

"Ach, falls du dich erinnerst, auf meiner Party gibt es wie immer eine Überraschung!" rief Tina, die bereits im Flur verschwunden war. Die Tür fiel lautstark ins Schloss. Nichts war sicher vor diesem überschäumenden Temperament.

Hellas Seufzer durchbrach die plötzliche Stille. Die Wände nahmen ihn still und geduldig in sich auf, wie so oft zuvor.

Jedes Haus besitzt seine eigene Klagemauer.

Natürlich fühlte Hella sich einsam. Natürlich widersprach die derzeitige Lebensweise ihrer ursprünglich lebensfrohen Art. Doch sie brauchte den Schutz.

Wie ein Insekt, unter dessen Füßen sich unvermutet der Trichter öffnet, in dem ein Sandwurm auf Beute lauert, hatte sie um ihr Überleben gekämpft. Sie atmete noch, aber als Pfand hatte sie ihre Gefühlswelt dem Loch überlassen. Ihr Dasein war eingerichtet, als ob sie in einem abgeschlossenen Zugabteil ganz für sich saß. Nur Tina hatte Zugang. Das monotone Rattern der Räder vermittelte Bewegung, es geschah ohne Hellas Zutun. Bilder und Ereignisse wanderten an ihr vorüber, ohne sie wirklich zu berühren. Stimmen, Worte, Gelächter erreichten ihr Ohr ohne Resonanz. Lebendig fühlte sie sich nur bei der Arbeit. Ihren Skulpturen hauchte sie all das ein, was sie sich selbst verwehrte.

Früher hatte sie sich stets auf Tinas Partys gefreut. Sie bedeuteten Highlights in der sonst eher langweiligen Szene. Das Essen war exquisit. Tina hatte Geschick in der Auswahl von Menschen und ließ jedes Mal eine faszinierende Konstellation von Frauen entstehen. Jedes Fest fand seinen Höhepunkt in einer Überraschung, die Tina bis zum letzten Moment vor allen geheim hielt.

Hella musste unwillkürlich lächeln, als sie an die letzte Veranstaltung dachte, an der sie teilgenommen hatte. Zwei Frauen zeigten einen Tanz, dem die Bezeichnung Striptease nicht gerecht wurde, obwohl die beiden zum Schluss völlig nackt waren. Nach anfänglicher Skepsis beeindruckte er alle Anwesenden in seiner künstlerischen Darbietung.

Hella zuckte mit den Schultern. Vielleicht hatte Tina recht, und die Ablenkung würde ihr gut tun. Sie raffte sich auf, trat vor ihren Kleiderschrank und fand ein weißes Hemd, in dem sie sich wohlfühlte.

Zwei Tage später klingelte es Punkt acht Uhr. Hella öffnete die Tür und pfiff anerkennend durch die Zähne. Das schlichte, schwarze Kostüm betonte perfekt Tinas Figur.

"Du siehst hinreißend aus!"

Mit einem strahlenden Lächeln drehte sich Tina um ihre eigene Achse und hauchte Hella einen Kuss auf die Wange.

"Vielleicht habe ich ja heute eine Chance bei dir?"

Sie zwinkerte mit ihren lang getuschten Wimpern. Das war seit Beginn ihrer Freundschaft Teil eines Spiels. Tina war kein Beziehungsmensch. Frauen liebte sie zu sehr, als dass sie sich für eine entscheiden konnte. Wer sich auf sie einließ, wusste das. Sie hatte etwas von einem weiblichen Macho, aber ihrem Charme erlagen fast alle.

"Gib es auf, meine Liebe. Du wirst nicht erleben, dass ich in deinem Bett lande, außer ich bin stockbetrunken und du schleifst mich in ohnmächtigem Zustand dorthin!" entgegnete Hella. "Im übrigen bin ich mir sicher, dass genug Frauen kommen, die nur darauf warten, von dir erobert zu werden." Im Gegensatz zu Tina konnte sie sich nicht vorstellen, einen One-night-stand oder eine Affäre zu haben. Sie zog die Wohnungstür hinter sich zu.

"Was bist du heute wieder hart zu mir." Das freche Glitzern in Tinas Augen strafte ihre Worte Lügen. "Aber ich will nicht undankbar sein. Bin ja schon froh, dich heute bei mir zu haben."

Sie nahm Hellas Hand und zog sie die Treppen hinab bis zum Auto. Rasante fünf Minuten später standen sie vor dem Haus, wo Tina residierte. Von Beruf Architektin hatte sie sich hier das komplette Dachgeschoss ausgebaut. Hella bekam damals als Bildhauerin von Tina ihren ersten großen Auftrag. So lernten sie sich kennen.

Sie fuhren mit dem gläsernen Aufzug, der beim Ausbau gleich mit integriert worden war. In die Wohnung kam man nur, wenn man einen Schlüssel besaß. Der Lift führte parallel zum benachbarten Kirchturm nach oben. Tina vertrat zwar eine distanzierte Einstellung zu Kirchen, aber Glockenläuten liebte sie. Diese Vorliebe war ein wichtiger Bestandteil bei der Wahl ihres Wohnortes gewesen. Hella fiel auf, dass sich unter dem ursprünglichen Schließmechanismus jetzt ein zweiter befand.

"Was ist das denn? Das war letztes Mal nicht. Hast du die Etage unter dir dazu gekauft?"

"Da kannst du sehen, wie lange du nicht mehr bei mir warst", entgegnete Tina. "Ich hatte dir doch von der Kollegin, die inzwischen eine sehr liebgewordene Freundin von mir ist, erzählt."

Hellas rechte Augenbraue zuckte nach oben. "Liebgewordene Freundin, so, so . . ."

"Pah!" protestierte Tina. "Nicht, was du schon wieder denkst! Bea wohnt seit drei Monaten hier, ist äußerst sympathisch und hat einige Gemeinsamkeiten mit dir. Zum Beispiel, dass sie sich auf keine Affäre einlassen will."

In diesem Moment öffnete sich die Aufzugstür, und mit unbändiger Freude stürmte ihnen Theodora, Tinas Labradorhündin, entgegen. Ihre einnehmende Begrüßung unterbrach die weitere Ausführung.

"Hallo meine Süße! Ich war doch gar nicht lange weg. Hast du mich so vermisst? Schau mal, wen ich mitgebracht habe!"

Gemeinsam durchquerten sie die riesige Eingangshalle bis zum Ende, wo sich eine Bar und die Musikanlage befand. Rene und Gabi, die sich wie bei jeder Party um Getränke und Musik kümmerten, waren bereits anwesend. Gabi wippte abwesend mit aufgesetztem Kopfhörer zur Musik, während Rene mit einem breiten Lachen das Polieren der Gläser unterbrach. Überschwenglich streckte sie Hella die Hand entgegen.

"Hei! Das ist ja eine wundervolle Überraschung! Schön, dich wieder unter den Lebenden begrüßen zu dürfen! Wir haben dich vermisst."

Ein zaghaftes Lächeln stahl sich in Hellas Gesicht.

"Darf ich dir deinen Lieblingscocktail kredenzen, oder hast du dich geschmacklich neu orientiert?" fragte Rene, während sie Tina bereits in stillem Einvernehmen ein Glas Sekt reichte.

"Das weißt du noch?"

"Wie könnte ich dich und deinen Swimmingpool vergessen!" lachte Rene herzhaft. "Und? Willst du einen?"

Renes gute Laune glich einem Frühlingswind und wirkte ansteckend.

"Ja, gerne."

"Das ist ein Wort. Kommt sofort!"

Rene begann schwungvoll, den Cocktail zu mixen. Währenddessen drehte Tina ihr Glas in der Hand und betrachtete Hella sinnend, die ihr Getränk nahm und sich auf den Barhocker in der Ecke setzte. Dort, verdeckt von einem drei Meter hohen Benjamin, der als Weihnachtsbaum mit Lametta und bunten Lichtern verkleidet war, konnte Hella später in Ruhe alles beobachten und wurde in der Menge nicht so beengt.

"Dann wollen wir auf deine Auferstehung anstoßen, meine Liebe, und das sie unermüdliche Fortschritte macht", prostete Tina Hella aufmunternd zu.

"Auf dich und unsere Freundschaft", entgegnete diese und schenkte ihr ein dankbares Lächeln.

Ein Gongschlag kündigte die ersten Gäste an. Tina schwang sich elegant vom Barhocker und runzelte die Stirn. "Wo bleibt denn Marga?"

Marga gehörte ebenso wie Gabi und Rene zur eingeschworenen Mannschaft der Betreuerinnen. Sie sorgte sich um den Einlass der Gäste und deren Garderobe. Just in diesem Moment kam sie aus den hinteren Privaträumen. Mit Zylinder und schwarzem Frack sah sie durch die hochgewachsene Figur beeindruckend aus. Ihr sonst beherrschtes Gesicht überflog ein Strahlen, als sie Hella erblickte. Mit weiten Schritten eilte sie zu ihr und küsste mit tiefer Verbeugung deren Hand.

"Welch Freude in diesem Hause! Tina, du hättest mir ruhig sagen können, dass Hella heute hier ist, dann wäre ich schon früher nach vorne gekommen!"

"Ich hoffe, du verzeihst, aber ich war mir bis zur letzten Minute nicht sicher, ob ich es schaffe, Hella heute mitzubringen."

"Na hör mal, ich hatte dir doch zugesagt", warf Hella ein.

"So sensibel wie du bist, konnte ich nicht ausschließen, dass du psychosomatisches Fieber bekommst", wand Tina ein. Sie strich ihr liebevoll über die Wange. "Aber nun bist du ja hier, und wie du siehst - alle freuen sich!"

Hella senkte den Blick und zog eine Zigarette aus der Schachtel. Tina hatte nicht unrecht. Das mit dem Fieber war ihr schon häufiger passiert, wenn sie sich mit Gewalt zu etwas überwinden wollte. Marga gab ihr aufmerksam Feuer. Sie liebte ihre Rolle als Butlerin und hatte diese im Laufe der Zeit bis zur Perfektion ausgebildet. Tina war stolz auf sie und sicher, dass Marga ohne weiteres im Buckingham Palast bestehen könnte. Der Gong ertönte ein zweites Mal.

"Gnädigste, ich würde zu gerne weiter deine Gesellschaft genießen, aber meine Pflicht ruft. Ich hoffe, ich habe später noch das Vergnügen", verabschiedete sich Marga.

Würdevoll schritt sie zum Aufzug. Tina beugte sich zu Hella und hauchte einen Kuss auf ihre Wange. "Ich bringe Theodora nach hinten, bevor der große Ansturm beginnt. Du bist ja hier bei Rene in guten Händen. Bis später."

Hella schaute Tina nach, wie sie grazil mit den hochhackigen Schuhen in Begleitung von Theodora durch das Zimmer tanzte und schüttelte den Kopf. Es war ihr ein Rätsel, wie sich Frauen auf solchen Schuhen sicher bewegen konnten, vor allem, wenn es so schwebend und leicht aussah. In einer schwachen Minute hatte sie sich dazu überreden lassen, mit diesen Waffen einen Gehversuch zu starten, was ihr eine schmerzhafte Bänderdehnung eingebracht hatte. Das war nichts für sie. Sie zählte sich zu den sportlichen Typen. Ihre Ansprüche an Kleidung waren Bequemlichkeit und Sauberkeit. Doch bei Tinas Partys gab es eh keine Kleiderordnung. Das Publikum war stets bunt zusammengewürfelt, so dass sie mit ihrer Jeans nicht weiter auffallen würde.

Die Beleuchtung wurde von Rene verändert. Der ganze Bereich war durch überlebensgroße Frauenstatuen, alles Werke von Hella, in verschiedene Sitzbereiche aufgegliedert. Kombiniert mit Pflanzen, erhielt jeder Platz seine eigene Lichtfarbe, und die Figuren wurden dadurch in ihrem Ausdruck verstärkt. Der Raum füllte sich mit Stimmen und Gelächter. In kürzester Zeit motivierte Gabi die Frauen, sich zu der Musik zu bewegen. Als Tanzfläche diente das freie Areal in der Mitte.

Hella schaute zu, welch unterschiedliche Ausdrucksform die Tanzenden der Musik gaben und unterhielt sich zwischendurch mit einigen, die sie entdeckt hatten und zu ihr kamen. Ihren Barhocker verließ sie nur, um im angrenzenden Raum das hervorragende Büfett zu genießen.

Zu fortgeschrittener Stunde begann die Tanzfläche, sich wie auf ein heimliches Kommando zu leeren. Hella brauchte nicht auf die Uhr sehen, um zu wissen, dass es kurz vor zwölf sein musste. Allen Anwesenden war bekannt, dass Tinas Überraschungen stets zu dieser Zeit präsentiert wurden, und sie waren höllisch gespannt, was es diesmal sein sollte.

Tina ging zum Mikrofon. "Liebe Anwesenden!"

Ihre Ansprache wurde von Klatschen und Beifallsrufen unterbrochen. Sie verteilte freizügig Kusshände ins Publikum.

"Danke! Danke, dass ihr gekommen seid und diesen Abend zu einem wundervollen Erlebnis mitgestaltet. Wie stets habe ich mir etwas ausgedacht und hoffe, dass es eure Zustimmung finden wird. Nun will ich euch nicht länger auf die Folter spannen."

Sie gab Rene ein Zeichen, die den Raum abdunkelte. Wie auf Kommando fing die Uhr der benachbarten Kirche an zu schlagen. Nach dem zwölften Schlag erhellte ein Strahler den Flur, der in den hinteren Bereich der Wohnung führte. Mit geschwellter Brust erschien Theodora, auf ihrem Kopf war ein Rentiergeweih befestigt. Sie zog einen alten Kinderwagen hinter sich her, dessen Räder unter der Päckchenlast quietschten. Schritt für Schritt stolzierte sie auf ihren vier Pfoten, angefeuert vom Beifall der Frauen. Hellas Mundwinkel zuckten belustigt. Das war typisch Tina. Sicher hatte sie wieder stundenlang mit Theodora geübt. Etwas Neues zu lernen machte beiden Freude.

Und dann erschien der Weihnachtsmann, oder besser gesagt - die Weihnachtsfrau.

Erstaunt nahm Hella das ungewöhnliche Outfit wahr, während die Weihnachtsfrau mit Klatschen, Pfiffen und Johlen willkommen geheißen wurde.

Schwarze Schnürstiefel aus edlem Lackleder reichten bis zum Knie, darüber wölbte sich eine rote Pluderhose. Der gepolsterte, dicke Bauch wurde von einem breiten, schwarzen Gürtel über einem roten Umhang gehalten. Darauf gestützt lagen riesige Brüste, die bei jedem Schritt bedenklich wackelten. Anstatt eines Bartes war eine weiße Federboa um das Gesicht geschlungen, so dass lediglich die Augen zu sehen waren. Als Rute baumelte eine Klobürste an ihrem Gürtel und zu guter Letzt stützte sie sich auf einen umgekehrten Wischmopp, der mit Lametta und einem Weihnachtsstern dekoriert war. Über ihre Hände waren weiße Handschuhe gezogen. Selbst wenn Hella diese Frau gekannt hätte, wäre es ihr unmöglich gewesen, sie in dieser Verkleidung einzuordnen.

"Ho, Ho, Ho - seid ihr alle bereit?"

Die Weihnachtsfrau rief es mit klangvoller Stimme in die Menge und wedelte dabei mit dem Mopp, dass der Stern bedenklich schräg abkippte.

Bejahende Rufe aus der Menge antworteten ihr.

"Wart ihr denn auch unartig genug, dass ihr eine Belohnung verdient habt? Oder müssen eure verstaubten Ansichten erst mit meiner Klobürste aus dem Hirn entfernt werden?"

Lachen und anfeuernde Pfiffe erklangen.

"Nun denn, lasst uns mit der Bescherung beginnen!"

Eine nach der anderen wurde aufgerufen, erhielt ein kleines Geschenk, und zu jeder wusste die Weihnachtsfrau etwas zu sagen, bis zum Schluss nur noch Tina und Hella übrig waren. Tina wurde nach vorne gerufen. Hella begann, nervös hin und her rutschend, den Sitz des Barhockers auf Hochglanz zu polieren.

"Liebe Tina! Du hast gedacht, als Initiatorin bleibst du verschont. Weit gefehlt, wo du doch das Vorbild von Unanständigkeit hier bist."

Lachen erklang im Hintergrund, und Tina winkte amüsiert in die Runde.

"Du hast dieses Jahr die Top Ten der Affärencharts angeführt, und deshalb möchte ich dir diese kleine Auszeichnung überreichen."

Sie zog etwas aus dem Kinderwagen hervor und hielt es für alle sichtbar Tina entgegen. Hella prustete los. Im Scheinwerferlicht blitzte, geschmückt mit einer lila Schleife, verwegen ein goldfarbener Dildo. Lachend nahm Tina die Trophäe an und hielt sie über ihren Kopf, gerade so, als ob sie eine Grammy -Auszeichnung erhalten hätte. Die Frauen klatschten Beifall und trampelten mit den Füßen vor Begeisterung. Tina nahm das Mikrophon.

"Danke! Danke an euch alle, die ihr mir wunderschöne und unvergessliche Stunden in meinem Leben beschert habt, in welcher Art und Weise auch immer ..." lächelte sie. "Und nun für den Rest der Party noch viel Spaß!"

Musik erklang. Tina befreite Theodora von ihrem Geweih, löste das Geschirr, mit dem sie den Wagen gezogen hatte und brachte sie wieder nach hinten, bevor sich die Tanzfläche erneut füllte. Hella atmete erleichtert auf und drehte sich zur Bar. Tina war eine echte Freundin. Sie hatte ihr den Auftritt erspart, wohl wissend, dass sie sich dabei sehr unwohl gefühlt hätte.

Plötzlich tippte es auf ihre linke Schulter. Hella fiel vor Schreck die Zigarette aus der Hand, die sie soeben anstecken wollte. Sie machte eine halbe Drehung mit dem Oberkörper und sah dicht vor sich in meerblaue Augen, unter denen sich die feinen Flusen der Federboa im Rhythmus des Atems bewegte. Hella hielt mitten in der Bewegung inne. Der Blick ging eine Verbindung mit ihr ein, suchte sich den Weg in Verborgenes und traf unvermittelt auf ihr Herz, das unerlaubt laut zu pochen begann.

"Wen haben wir denn da? Die schöne Helena! Wolltest du dich vor mir verstecken?"

Dies riss Hella aus ihrer Erstarrung. Sie runzelte die Stirn zu einer missbilligenden Falte. "Ich heiße Hella! Helena kann ich nicht leiden!"

"Aber warum denn? Es ist ein schöner Name, und du trägst ihn, wie ich sehe, zu recht. Magst du?"

Die Unbekannte fasste in ihre Verkleidung und zog die rechte Brustattrappe heraus - eine köstlich gelbe Honigmelone. Ein Lächeln stahl sich in Hellas Mundwinkel.

"Woher wusstest du, dass ich diese Frucht liebe?"

Verschwörerisch bewegten sich die ausdrucksvollen Augen Richtung Tina, die sich auf der Tanzfläche vergnügte.

"Wer auch sonst", stellte Hella fest. Sie zeigte belustigt auf die einseitige Brustdekoration. "Irgendwie siehst du nun sehr unsymmetrisch aus."

"Nicht nur du isst gerne Honigmelone. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Beatrice, aber alle nennen mich Bea."

Hella bedachte sie mit einem nachdenklichen Blick. Das also war jene Bea, von der Tina so geschwärmt hatte. Währenddessen bemühte sich diese, aus dem Ausschnitt die zweite Melone heraus zu bekommen. Eine Hand hielt sie auf dem Rücken versteckt.

"Kannst du mir mal helfen?"

Irritiert schaute Hella sie an. "Wie jetzt?"

"Entferne mal dieses Teil, bitte."

Sofort glühten Hellas Ohren im Partnerlook mit der grell roten Verkleidung der Weihnachtsfrau.

"Ich kenne gerade mal deinen Namen, da fasse ich dir doch nicht in den Ausschnitt."

"Du sollst mich ja nur von der Melone befreien. Dann kann ich dir dein Geschenk geben, und wir können endlich diese köstlichen Früchte genießen."

Hella atmete tief durch. Möglichst unbefangen versuchte sie, der Bitte nachzukommen. Mit spitzen Fingern zog sie vorsichtig die Melone heraus.

"War doch gar nicht so schwer, oder?" meinte Bea lachend. "Hier, das ist für dich, als Belohnung für deine Tapferkeit."

Sie hielt Hella ein Päckchen entgegen. Verlegen nahm diese es an und löste vorsichtig die Klebestreifen der Verpackung. Bea zog sich die Handschuhe aus und beobachtete sie verstohlen von der Seite. Ungläubig betrachtete Hella das enthüllte Präsent.

"Wahnsinn! Aber das kann ich nicht annehmen."

Vor ihr lag ein Schnitzmesserset, das sie sich schon seit langem wünschte. Für sie war es unerschwinglich gewesen.

"Warum nicht? Wir werden es gleich einweihen und unsere Melonen damit sezieren."

Hellas Entsetzen über solchen Missbrauch der Kostbarkeit stand deutlich in ihrem Gesicht geschrieben. Bea gluckste vor Vergnügen.

"War doch nur ein Spaß", räumte sie ein und wandte sich zur Bar. "Rene, hast du mir mal ein ordinäres Küchenmesser und zwei Teller?" Dann beugte sie sich mit eindringlichem Blick zu Hella. "Hör zu, dies ist ein Geschenk von Tina und mir." Sie machte eine bedeutungsvolle Pause. "Ich muss dir etwas gestehen." Hella fragte sich, was dies nun bedeuten sollte. "Als ich zum ersten Mal deine Frauenskulpturen sah, habe ich mich sofort in sie verliebt. Das sind wundervolle und sehr ausdrucksvolle Arbeiten. Eine solche Begabung muss unter allen Umständen gefördert werden. Also nimm es bitte an und arbeite damit."

Beas Blick flehte Hella nun regelrecht an. Ergeben zuckte diese mit den Schultern und knitterte mit lautem Rascheln das Papier zusammen.

"Danke, es ist nur so, dass ich mit Geschenken nicht so gut umgehen kann, vor allem, wenn ich weiß, dass sie so teuer waren."

Bea nahm sie spontan in die Arme.

"Es soll dir Glück bringen", flüsterte sie in ihr Ohr.

Hella rieselte ein Schauer über den Rücken.

"Ich werde es in Ehren halten", murmelte sie und strich über die Werkzeuge. Dabei begann in ihrem Kopf die erste Arbeit, die sie damit beginnen wollte, Gestalt anzunehmen. Ein durchdringendes Klack des Messers auf dem Porzellanteller vertrieb Hella aus den Sphären ihres künstlerischen Schaffens. Bea hatte begonnen, die Melone zu teilen. Jetzt erst fiel Hella auf, dass sie keine Handschuhe mehr trug. Fasziniert betrachtete sie diese feingliedrigen Frauenhände, wie sie die Frucht in mehrere Teile schnitt und ihr dann den Teller zuschob. Hände und Augen waren für Hella die ersten Anknüpfungspunkte, wenn sie Menschen kennenlernte, und beides war bei Bea mehr als ansprechend. Was war das nur? Sie kannte diese Frau erst seit ein paar Minuten. Woher kam diese unerklärliche Anziehung, die sie auf sie ausübte?

"Kann es sein, dass du dich unter so vielen Menschen nicht sehr wohlfühlst?" nahm Beas Stimme erneut den Kontakt zu ihr auf.

"Schon möglich", war Hellas einsilbige Antwort, die sich bemühte, ihr Gedankenchaos unter Kontrolle zu bringen. Beas Hand streckte sich ihr entgegen. Fragend schaute Hella hoch, und wie ein Sog fühlte sie den Bann der tiefblauen Augen. Wer war diese Person, dass sie es schaffte, in ihr ein solches Wechselbad der Gefühle anzurichten?

"Komm", forderte Bea sie mit ihrer melodiösen Stimme sanft auf.

Zögernd legte Hella ihre Hand in Beas. Es fühlte sich ungewohnt an, warm und gut.

"Und die Melonen?"

Bea warf einen Blick auf die appetitlich drapierten Stücke, nahm eines davon und steckte es Hella in den Mund.

"Für den Rest wird sich sicher jemand finden", meinte sie leichthin. Dann bugsierte Bea sie geschickt durch die Tanzenden, wickelte dabei mit der freien Hand die Federboa vom Hals und warf sie im Vorübergehen Tina zu.

"Die brauche ich nicht mehr!"

Hella betrachtete das Gesicht, das nun endlich zum Vorschein kam. Eine Nase, die sie einer griechischen Statue zuordnen würde, darunter feine Schweißperlen über Lippen, die eine unglaubliche Sinnlichkeit ausdrückten. Beim Lachen kamen freche Grübchen zum Vorschein und blendend weiße Zähne mit einem leicht schiefen Schneidezahn. Eh sie sich versah, waren sie mit dem Aufzug eine Etage tiefer gefahren und standen in Beas Wohnung. Sie drückte einen Schalter und der Raum wurde mit indirektem Licht erhellt. Das Eingangszimmer war kleiner und in warmen Pastellfarben gehalten. Bea führte sie zu einer Sitzecke mit gemütlichen Kissen und entließ sie aus ihrer Hand, damit sie sich setzen konnte.

"Magst du einen kalifornischen Rotwein mit mir trinken?"

Bea zog sich die Mütze vom Kopf und warf sie in die Ecke. Hella nickte nur. Registrierte das Ausschütteln der blonden Lockenmähne, sah, wie Bea den breiten Gürtel öffnete, worauf ein dickes Kissen auf den Boden plumpste. Der Mantel flog zur Mütze, und als Bea sich der Schuhe und der Pluderhose entledigt hatte, war Hella endgültig sprachlos. Die Verwandlung von Aschenputtel kam ihr in den Sinn. Vor ihr stand die atemberaubendste Frau, die sie je gesehen hatte. Der dunkelblaue Anzug, den sie trug, schmiegte sich eng an ihre Haut, die über der Brust und an den Seiten der Beine durch einen Spitzenbesatz durchschimmerte. Es war fast wie nackt, nur aufregender. Genau so wird meine nächste Statue sein, dachte Hella fasziniert. Ihr Blick folgte Bea, die auf bloßen Füßen durch das Zimmer tänzelte. Musik erklang. Mit zwei gefüllten Gläsern kam sie zu Hella zurück.

"Willkommen! Und darauf, dass ich dich endlich kennenlernen darf."

Ein zartes Pling erklang, als sie mit Hella anstieß, die sich räuspern musste, bevor sie ein "Prost" herausbekam. Schnell spülte sie den trockenen Hals mit einem Schluck Wein. Sie zwang sich, wenigstens etwas zur Konversation beizutragen und fragte rauh: "Ist das nicht Holly Cole, die da singt?"

Ein erfreutes Lächeln ließ Beas Grübchen tanzen.

"Du kennst Holly? Sie hat eine ausdrucksvolle Stimme, findest du nicht?"

"Hm", bejahte Hella und lauschte Holly Coles Worten nach. "Trust in me, close your eyes and trust in me . . ."

Sie nahm noch einen Schluck und dachte: Ein verführerischer Gedanke, wenn das nur so einfach wäre.

"Tanzt du eigentlich? Ich habe dich heute abend nicht einmal auf der Tanzfläche gesehen", klang Beas Stimme in ihre Gedanken.

"Ähm, doch . . . eigentlich schon . . . aber . . ." stotterte Hella, die einerseits den Wunsch verspürte, ganz dicht zu Bea zu rücken und andererseits gegen den panischen Trieb ankämpfte, möglichst schnell das Weite zu suchen. Bea stellte augenblicklich ihr Glas ab und stand mit einer fließenden Bewegung auf.

"Schön! Ich tanze leidenschaftlich gerne. Darf ich bitten?"

Hella starrte befangen auf die unverschämt schönen Hände, die sich ihr erneut entgegenstreckten. Sie wusste, wenn sie diese ergriff, würde sie verloren sein wie eine Fliege, die dem Schlund einer fleischfressenden Pflanze zu nah kam.

"Komm, ich beiße nicht, und wenn ich führen darf, ich bin eine gute Tänzerin", forderte Bea mit weicher Stimme.

Wie in Trance stand Hella auf und Bea zog sie sanft an sich.

Sie muss denken, sie hat einen Stock im Arm, dachte Hella, die förmlich spürte, wie steif sie sich machte. Meine Güte, fühlt sich das gut an. Weich, erregend, wie sich ihr Bauch an meinen schmiegt. Wie lange ist das her, dass ich so etwas gefühlt habe? Es macht mir Angst. Ich will mich nicht wieder verlieren. Ich kenne sie doch gar nicht. Ich sehne mich nach ihr, rasten ihre Gedanken, während sie versuchte, sich der Musik anzupassen.

"Ich werde dir nicht wehtun. Entspann dich, du brauchst keine Furcht zu haben", flüsterte Bea in ihr Ohr, was in Hellas Körper ein Beben verursachte. Bea hielt sie fest, zog sie ganz nah. Mit einem leisen Seufzer schloss Hella die Augen und ließ ihren Kopf an die Schulter sinken. Betörendes Parfüm umschmeichelte ihre Nase. Sie konnte Beas Herzschlag verräterisch schnell an ihrer Wange spüren. Meine Güte, dachte Hella, was geschieht hier eigentlich mit mir? Dieser Duft, diese Nähe, ich verliere den Verstand, wenn das so weitergeht. Plötzlich hielt Bea mitten in der Bewegung inne.

"Ich muss dir etwas sagen . . .", begann sie mit belegter Stimme.

Jetzt kommt es, dachte Hella. Irgendwas mit - ich habe dich wirklich gern, möchte mit dir schlafen, aber nicht, dass du dir etwas davon versprichst. Bla, bla bla . . . Alles stellte sich auf Abwehr und Flucht ein, doch Bea hielt sie fest.

"Ich wollte dich heute abend unbedingt kennenlernen. Schon des öfteren habe ich mich mit Tina über dich unterhalten. Der Gedanke an die Person, die solch ausdrucksvolle Statuen zu erschaffen vermag, hat mich nicht mehr losgelassen. Und dann . . . dann habe ich ein Bild von dir gesehen . . .", druckste sie herum, wollte weitersprechen, bewegte die Lippen und brachte die Worte nicht heraus. "Mensch", stampfte Bea ungeduldig mit dem nackten Fuß auf, "ich bin doch sonst nicht so auf den Mund gefallen . . . Ich . . . ich habe mich sofort in dich verliebt . . . So, jetzt ist es heraus!"

Argwöhnisch kniff Hella die Augen zusammen. Sie war nicht in der Lage, so schnell umzuschalten. Alles hatte sie erwartet, nur keine Liebeserklärung. Meinte diese Frau, die es geschafft hatte, bei ihr in kürzester Zeit fast vergessene Gefühle zu wecken, wirklich sie? Ein stummer Dialog mit den Augen folgte, bis Bea begann, sich behutsam ihrem Gesicht zu nähern. Als ihre Nasenspitzen sich berührten, fragte Bea voller Sehnsucht: "Darf ich dich küssen?"

Hella vermochte nicht zu antworten. Ihr Körper übernahm diese Aufgabe und entspannte sich in Beas Armen. Als Hella Beas Lippen auf ihren spürte, löste sich all ihr Widerstand auf. Einer Welle gleich wurde alles, was gewesen war, weggefegt, und in ihrem Wahrnehmungsfeld existierte nur noch Bea, die Sprache der Körper und die Entdeckungsreise ihrer Hände.

"Ich . . . ich kann nicht mehr stehen, Bea", flüsterte Hella, als diese vor ihr kniete und ihre Lippen sich virtuos über ihren Bauch tasteten.

Bea hielt inne. Mit leisem Lachen fragte sie: "Darf ich dich in mein Schlafzimmer entführen?"

Hella zog sie zu sich hoch. "Ich bitte darum", entgegnete sie und besiegelte dies mit einem leidenschaftlichen Kuss.

Begleitet von Holly Coles: "All I want is you, you, you . . ." bewegten sie sich ohne voneinander abzulassen, bis sie in das weiche Bett fallen konnten.

Hella war unbegreiflich, was da mit ihr geschah. Völlig ausgebrannt, kalt und grau wie ein Häufchen Asche war sie dieser Frau begegnet. Bea fand instinktiv den versteckten Rest der Glut und brachte es fertig, daraus ein Feuer zu entfachen, wie es Hella nie zuvor erlebt hatte. Wärme entwickelte sich zu einer alles verzehrenden Flamme, kein Platz für Angst, Vernunft, Gedanken, nur sie beide. Das Feuer loderte hoch, Hella gab sich hin und verlor jegliches Gefühl für Raum und Zeit.

Bea beugte sich über Hella und nahm den Augenblick ganz in sich auf. Ein Augenblick, in dem jede Frau eine unvergleichliche Schönheit ausstrahlt. Ein Augenblick, der die Liebe zwischen zwei Menschen noch deutlicher macht. Zärtlich strich sie Hella über das Gesicht.

"Bist du glücklich?"

Die Kirchenglocken begannen zu läuten.

"Süßer die Glocken nie klangen!" lächelte Hella mit verträumtem Blick und holte Bea zu sich.

 

© Maria Eleftheria

 

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DIE JÄGERIN

 

Eiskalt. Der Beutel auf der Innenseite meines Schenkels müsste sich eiskalt anfühlen.

Diesen Test habe ich mir in einer Regelmäßigkeit angewöhnt wie Zähneputzen. Mein Körper ist stets im Hier und Jetzt, meine Seele oft auf Wanderschaft. Ich möchte sie bei ihren Reisen nicht verlieren. Das Eis zeigt mir an, ob die Distanz zu groß wird und meine physischen Empfindungen außerhalb meiner Wahrnehmung sind. Heute ist es soweit. Die Kälte würde meine Haut ablösen, wenn ich nicht acht gebe. Ich weiß, was zu tun ist.

Die Lade des Gefrierfachs kratzt, als der Behälter wieder in dunkler Tiefe verschwindet.

Ich töne meinen kurzgeschnittenen Schopf schwarz, spüle unter der Dusche den Tagesgeruch ab und definiere ihn anschließend mit Lotion und Parfüm betörend neu. Die Haarfarbe passt perfekt zu der Kleidung in meinem normalerweise verschlossenen Schrankfach. Ich liebe den Duft des weichen Leders, das sich an mich schmiegt. Das schulterfreie Top wird genügen. Nur noch die Kontaktlinsen eingesetzt, die meine Pupillen blaugrün glitzern lässt, die Maske angepasst, die mit einer Spezialbeschichtung auf dem Gesicht haftet, ein prüfender Blick in den Spiegel: Die Verwandlung ist gelungen. Ich lösche sämtliche Kerzen und schalte die Musikanlage aus.

Es ist nicht weit.

Ich gehe zu Fuß, betrachte den klaren Sternenhimmel und koste die trügerische Ruhe dieser lauwarmen Nacht. Der Schlüsselbund klimpert zuversichtlich.

Ich bin da.

Der Name im Mietvertrag ist gefälscht. In dem winzigen Apartment gibt es keinen persönlichen Gegenstand und doch ist alles für mich da. Solange, bis ich gefunden habe, was ich mir wünsche, dann wird dieser Ort überflüssig.

Ich spüre in das Zimmer hinein. Niemand war seit meinem letzten Besuch anwesend. Beruhigt greife ich den Helm, lasse die Tür hinter mir zufallen und fahre mit dem Aufzug die zehn Stockwerke bis in die Tiefgarage.

Satt ertönt der Hochleistungsmotor. Das Gefühl der Macht über diese Maschine, die nun für ein paar Stunden meine Begleiterin sein wird, durchströmt mich.

Die Straßen sind fast menschenleer, das Lichtermeer blendet schweigend ins Niemandsland. Wie immer fahre ich ziellos umher, warte auf ein Zeichen, bevor ich eine bestimmte Richtung einschlage.

An der Straßenkreuzung zum Secret Place protzt die Uhr bereits mit neuem Datum, der Versuch, Zeit in Zahlen festzuhalten. Uninteressant für mich. Hinter dem Haus stelle ich das Motorrad neben den Müllcontainern ab, streiche mit den Fingern durch meine Frisur und prüfe, ob die Maske sitzt.

"Na? Auch mal wieder da?"

Die Türsteherin schenkt meinem ungewöhnlichen Outfit ein routiniertes Begrüßungslächeln und lässt mich passieren. Mein Rücken wird in dieser Umgebung noch aufrechter, der Gang panthergleich.

Es ist wie stets und doch jedes Mal neu.

Rauchschwaden vernebeln Gesichtszüge, lassen die Augen tränen und geben ihnen dadurch scheinbaren Glanz. Die gedämpfte Beleuchtung tut ihr übriges, um die Realität zu verwischen. Ich bewege mich ans Ende der Bar zum zweiten, etwas kleineren Tresen. Leiber drängen dicht auf der Tanzfläche und verströmen freizügig ihre Duftmischungen. Meine Nasenflügel beben bei dem massiven Ansturm auf meinen empfindlichen Geruchssinn.

Mit keinem Blick nehme ich die Frauen wahr, lasse nur mein Gespür den Raum bis in den letzten Winkel sondieren. Es findet keine Resonanz. Nicht die, die ich wirklich suche.

Carol, die wie üblich bedient, reicht mir in stillschweigendem Einvernehmen ein Mineralwasser. Ich schätze ihre unaufdringliche Aufmerksamkeit, die meisten Menschen lassen sie vermissen. Neunzig Prozent der Anwesenden gehören dazu. Sie mustern mich unverhohlen. Lässig lehne ich mich an die Wand, nehme die Schwingungen um mich herum auf, stets lauernd auf die Wahrnehmung der Einen, die ja vielleicht heute erscheinen wird. Bis dahin sortiere ich, was mir bekommt, und eigne mir an, was ich haben will.

Ein Lächeln bewegt meine Lippen.

In einer Ecke staut sich massiv das Glück. Die Beiden haben sich beim Tanz näher kennengelernt, die Bewegung der Körper gab die Signale vor, die Gedanken und Bedürfnisse folgten. Jetzt sitzen sie sich gegenüber, Hände tasten sacht zueinander, Nervenenden erzittern, die erlernte Sprache verstummt und Begehren verdrängt kraftvoll die Vernunft. Es lässt eine Saite in mir erklingen.

Ich bestelle ein zweites Wasser, nehme auf meiner Zunge die prickelnde Kohlensäure wahr, und taste mit meinen Sinnen weiter.

Brennendes Verlangen an der vorderen Theke lässt mich innehalten. Auf einem Barhocker entdecke ich eine künstlich Blonde die, scheinbar gelassen am Cocktail nippend, mit ihrem Blick an der Schwarzen auf der Tanzfläche klebt. Die Gedankenbilder zeigen Gier und wenig Phantasie. Langweilig und viel zu schade für die Farbige, die selbstvergessen den Tanz und seine Auswirkung auf den Körper genießt. Bei ihr verweile ich. Sie wandelt Töne der Musik lustvoll um, ein kokettes Spiel mit Impressionen.

Die Bar wird übersichtlich, Frauen gehen, keine kommt neu herein. Ich werde mich umorientieren. In dem Maße, wie ich mich von der Suchenden zur Jägerin entwickle, verändert sich mein Ausdruck. Glitzernd und wach streune ich durch die Verbliebenen. Weiß, dass ich eine finde, die nur noch anwesend ist, weil sie von mir bemerkt werden will.

Sie ist zierlich, nach außen fast zerbrechlich. Erst ihre Gedanken zeigen, welcher Mut in ihr steckt. Unter dem halblangen Haar fixiert sie mich, dreht dabei das Whiskyglas in der Hand. Ich stoße mich von der Mauer ab und bin mit wenigen Schritten bei ihr. Ohne ein Wort an sie zu richten, dringe ich mit meinem Blick in sie. Ihre Augenlider flattern, doch sie hält stand. Was ich erkenne, gefällt mir und ich beginne, ihr Empfinden von Raum und Zeit zu trennen, bis sie nur noch mich wahrnimmt. Ich danke ihr mit einem charmanten Lächeln.

"Hast du Lust mit mir zu kommen?"

Sie atmet tief ein und antwortet mit einem Nicken.

Die Fingerkuppe meines rechten Zeigefingers fährt sacht von ihrer Stirn über die hübsche Nase und verweilt auf den vollen, weichen Lippen.

"Du wirst nicht wissen, wohin ich dich bringe, wirst meinen Namen nicht erfahren und ich will den deinen nicht wissen. Es gibt nur diese eine Nacht und du darfst mich nicht berühren. Dafür stille ich deine Sehnsucht."

Wie gebannt saugt sie jedes Wort auf, ohne sich von mir zu entfernen. Ich weiß, ich habe sie. Sie will mehr.

Ich nehme ihr Glas, stelle es auf den Tresen und reiche ihr meine Hand, von der sie sich widerspruchslos zum Ausgang führen lässt. Als wir auf der Strasse stehen, löse ich das schwarze Seidentuch von meinem Hals und verbinde ihr die Augen. Unsicherheit steigt in ihr auf. Ich spüre es sofort.

"Alles ist gut, vertraue mir und genieße."

Sanft beschwörend flüstere ich in ihr wohlgeformtes Ohr und bemerke den Schauer, der sich über die helle Haut ausbreitet. Ich lege ihre Arme um meinen Hals und trage die schöne Unbekannte zur Maschine. Sie lehnt den Kopf an meine Schulter und seufzt ganz leise. Die Kraft der Begierde macht sie sprachlos und lässt der Vernunft keinen Raum. Ganz dicht rückt sie an meinen Rücken, fügt sich, vom Fahrtwind liebkost, in die Balance der Kurven ein. Das sanfte Brummen des Motors hallt in Ihr wider. Als wir mit dem Aufzug nach oben surren, schmiegt sie sich weich in meine Umarmung. Ich öffne die Tür zu meinem Apartment. Den Kopf leicht schräg gelegt, lauscht sie auf das Klacken des Schlosses. Meine Lippen streichen mit warmem Hauch zum Willkommen über ihren geschlossenen Mund. Erst jetzt nehme ich ihr mit sanfter Berührung die Augenbinde ab. Überraschung zeigt sich auf dem ausdrucksvollen Gesicht, als sie den Raum betrachtet; die kleine Theke, vor der zwei Barhocker stehen, das metallene Himmelbett als Zentrum, Schalen mit duftenden Blütenblättern, die Wände mit Frauenkörpern bemalt. Indirektes Licht, abwechselnd in blauen und warmen Farbtönen gehalten, erzeugt eine unwirkliche Atmosphäre.

Ich überlasse sie einen Moment dem Staunen, zünde Kerzen an und bereite ihr denselben Drink, den sie im Secret Place hatte.

"Setz dich."

Mit einem verträumten Blick wendet sie sich mir zu und ich reiche ihr das Getränk. Als sie in kleinen Schlucken daran nippt, versuchen ihre Augen, mich zu ergründen. Ich beuge mich mit einem Lächeln zu ihr, halte inne, als sie meinen Atem spüren kann und erinnere sie an ihr Verlangen. Wie Feuer steigt es in ihr auf, so stark, dass es mich berührt. Mit der rechten Hand fahre ich an ihrer inneren Jeansnaht hoch, lasse abwechselnd Zeige- und Mittelfinger über den Verschluss der Hose und weiter über die Knöpfe an ihrer Bluse tanzen. Ihr Atemrhythmus beschleunigt sich. Am obersten Knopf halte ich an. Ein Zittern geht durch ihre Schulterpartie über die Arme bis in die Fingerspitzen.

Es wird gleich geschehen.

Ihr weißer Schneidezahn beißt kurz auf die Unterlippe, ein fordernder Aufblitzen in ihrem Blick, eine kaum merkliche Tonusveränderung der Halsmuskeln, ich ahne die Bewegung, ehe sie ausgeführt wird. Ihre Hand nimmt die meine und führt sie zu ihrem leicht geöffneten Mund.

Es dauert nur einen Wimpernschlag, bis ich ihre Hände mit einer raschen Drehung auf den Rücken gebunden habe. Verblüfft schaut sie mich an.

"Ich sagte doch - mein Körper ist für dich tabu."

Meine Stimme klingt rau. Wild schleudert sie die Haare aus dem Gesicht, ihr Oberkörper formt dabei einen ästhetischen Bogen. Ich genieße den Anblick. Sie schiebt den Po auf dem Barhocker nach vorne, um aufzustehen. Ich dränge mich zwischen ihre Beine und presse mich an sie. Ihre Hände zerren an der Fessel. Die Nippel ihrer festen, kleinen Brüste bilden sich deutlich unter der Bluse ab. Sacht, fast nachlässig streiche ich darüber, während ihr mein Schenkel Widerstand bietet. Ich ziehe an dem obersten Knopf, während ich in die kleine Seitentasche meiner Hose greife. Beim Anblick des Messers zuckt sie kurz zusammen. Bevor sie begreift, springt der erste Verschluss ab, der zweite, bis zum letzten. Meine Lippen streifen über ihre Schulter und schieben die Bluse nach hinten. Mit einem leisen Stöhnen bietet sie mir die Brüste an. Sie weiß um ihren verlockenden Körper, beobachtet meine Zunge, die über ihre harten Nippel tanzt.

Kurz beiße ich zu. Gerade so fest, dass lustvoller Schmerz sie durchfährt. Ich spüre ihr Erstaunen über die heiße Welle, die sie durch den Bauch bis zwischen die Beine erbeben lässt. Ich richte mich langsam auf und lächle sie an, bevor ich mit dem linken Arm unter ihr Knie greife, um es so anzuwinkeln, dass ich das Messer unter den Saum ihrer Hose führen kann. Ihre Pupillen weiten sich, als ich mit Leichtigkeit den Stoff aufschlitze, als wäre es Papier. Mein Blick hält sie fest, bis auch das andere Hosenbein aufklafft und ich ihre bloßgelegten, langen Beine an der Innenseite mit meinen Fingerkuppen sacht entlang streiche bis zu dem Hauch von schwarzem Slip, der sie noch bedeckt. Ich umfahre mit der Zungenspitze seine Konturen, reize und bezaubere, stets darauf bedacht von ihrer empfindsamsten Stelle entfernt zu bleiben. Durch die Spitze schimmert ihre helle Haut. Nur noch die Pobacken befinden sich auf dem Stuhl. Sie zieht hörbar den Atem ein, als das kühle Metall sie vom letzten Rest Stoff befreit.

Ich spüre in sie. Es ist keine Angst da, nur Lust, die beginnt, sich in haltlose Gier zu verwandeln. Das ist gut. Ich will nicht, dass sie Furcht empfindet. Das würde die Freude schmälern, die ich mehren will, bis sie endgültig die Kontrolle verliert. Ich wische die Gedanken beiseite, konzentriere mich ganz auf die schöne Unbekannte, knie vor ihr nieder und erforsche ihre Weiblichkeit. Jeden Wunschgedanken von ihr, den ich empfange, setze ich sogleich in die Tat um. Sanft umkreist meine Zunge ihre pochende Klit, während meine Finger die weichen Schmetterlingsflügel öffnen und ihr verführerisch duftendendes Nass frei lassen. Sie stöhnt laut auf, als meine Zunge tief in sie dringt. Ihr Becken drängt mir entgegen. Lange kann sie nicht mehr stehen. Ein wenig noch, denke ich und spiele einfühlsam zwischen Perle und Höhle hin und her, bis ihre Nägel sich in die Sitzfläche des Hockers graben und das heftige Atmen mir anzeigt, dass sie gleich soweit ist. Ich lasse von ihr ab und wandere mit meinem Mund aufwärts über ihren bebenden Körper, nehme sie in meine Arme, drücke mich an sie und schaue lächelnd in ihre sehnsuchtsvollen Augen.

"Wir haben alle Zeit der Welt... "

Sie wirft den Kopf zurück, ihre Halsschlagader pocht sichtbar und verräterisch schnell. Ich verfolge sie mit meinen Lippen, taste zu ihrem hübschen, kleinen Ohr.

"Koste deine Geilheit aus, überlasse dich ganz und gar. Nimm dir die Freiheit, von mir zu bekommen, was du bisher nur in Träumen gelebt hast. Erlebe grenzenlose Lust!"

Ich löse das Tuch an ihren Händen. Sie hat die Fesseln nun in sich, kann nicht mehr klar denken. Jetzt lasse ich sie auch reden.

"Du machst mich wahnsinnig!"

Ihre nun heisere Stimme klingt trocken. Galant reiche ich ihr das Getränk und sie löscht mit hastigen Schlucken den Durst, während ihr Wunsch Gestalt annimmt und mich erreicht.

Ich reagiere sofort. Tief dringen meine zwei Finger in sie. Das Glas fällt auf den Teppichboden, bleibt unbeachtet. Erneut knie ich vor ihr nieder. Sie stützt sich auf meine Schultern, während mir ihr Becken gierig entgegen stößt. Ich halte meine Hand ganz ruhig und lasse sie nehmen, was und wie sie es will. Sie ist so gereizt, dass ich schon nach kurzer Zeit spüre, wie sie zu pulsieren beginnt.

"Ist das schön! Bitte, geh jetzt nicht weg. Lass mich..." Das letzte Wort erstickt in einem Aufschluchzen. Eng umschließt sie meine Finger. In mir steigt Wärme auf. Ganz sanft löse ich mich, umfange sie mit den Armen und trage sie zum Bett. Ich betrachte sie. Nichts ist vergleichbar mit dem Ausdruck einer Frau während dem Höhepunkt und kurz danach. Dieser Anblick ist es, der mein Gefühl anspricht und zu mir holt. Mein Lächeln wird weich und mein Körper beginnt mehr und mehr zu antworten.

Sie kehrt langsam zurück. Ich streiche über ihre warme Haut, weiß, dass sie noch lange nicht satt ist. Mit einem wohligen Seufzen dreht sie sich auf den Bauch. Als ich mit meinen Nägeln über ihren Rücken ziehe, stöhnt sie leise auf.

"Vertraust du mir?" frage ich.

"Ja, ja ich vertraue dir." Ein Flüstern nur.

"Gut. Dann wirst du jetzt die Welt der Empfindungen weiter entdecken. Knie dich dort ans Kopfende."

Widerspruchslos folgt sie, stützt sich auf der metallenen Querverstrebung ab und reckt mir mit leicht gespreizten Beinen ihre ansprechenden Porundungen entgegen. Ich nehme ein Tuch, das mit einer zartduftenden Essenz getränkt ist, und verbinde ihr erneut die Augen.

"Was verwendest du da für einen Zauber?" will sie wissen.

"Lass dich überraschen."

Ich stimme mich ganz auf sie ein, erspüre, was sie tief in sich verborgen hat.

Alles ist auf Verlangen ausgerichtet, im Dunkel intensiviert. Berührungen hinterlassen Feuerspuren auf der Haut. Sie hört meine Schritte, als ich das Bett umrunde, das Klappern in meiner Hand, und hebt fragend den Kopf. Ich betrachte die geschwungenen Klammern in meiner Hand, an denen ich vor langer Zeit schon mit einer kleinen Kette Bleizapfen anbrachte. Sie bekommen einen glücklichen Platz am Nippel ihrer rechten und linken Brust. Sie zuckt zusammen, dann erkenne ich an Ihrem Gesicht, wie der Schmerz sich in eine Lustwelle verwandelt, die eine direkte Verbindung zu den Nerven der Klit herstellt, bei jeder Bewegung neu entfacht.

Ich ziehe mich zurück, überlasse sie diesem neuen Erleben und gürte mich, bevor ich hinter sie knie. Sanft umstreiche ich ihre Perle, dringe nur wenig in sie ein, kreise mit meinen Fingern.

Sie stöhnt auf.

"Sag mir, wie es sich anfühlt. Sag, was du willst," raune ich in ihr Ohr. "Ich werde nichts weiter tun, außer du forderst mich dazu auf!"

Es kostet sie Überwindung aus der anerzogenen Zurückhaltung auszubrechen, doch die Worte werden in ihrem Kopf stärker. Ich halte mich bewusst zurück, bis es wild aus ihr heraussprudelt: "Oh... Es fühlt sich... es fühlt sich so gut an. Du machst mich unglaublich geil. Bitte, bitte... ich will, dass du mich fickst! Vögel mich, wie ich noch nie in meinem Leben gevögelt wurde!"

"Geht doch!" lache ich leise.

Sie ist jetzt so feucht, dass sie den wohlgeformten Dildo sofort tief in sich aufnimmt. Jeder Stoß überträgt sich auf ihren Körper und erzeugt neuen Lustschmerz an den Brüsten. Ich dringe mit einem Finger zwischen den Pobacken ein und ihr lautes Atmen wird zum Keuchen. Als sie sich mit einem Schrei aufbäumt, kann ich spüren, wie mein Gefühl sich mit mir verbindet und in mir bleibt.

Ich genieße den schwebend schillernden Moment mit ihr und entferne mich dann sacht, beseitige von meiner Hüfte den Gurt, befreie ihre Brüste, die Augen, und nehme sie in die Arme. Sie weint. Mit einem zärtlichen Lächeln küsse ich ihr die Glückstränen ab.

"Es ist gut. Es ist alles gut. Warte einen Moment, ich hole dir etwas zu trinken."

Ihr Blick, noch verschleiert, empfängt mich dankbar, als ich mit einem Becher zurückkehre. Sie trinkt aus und kuschelt sich dann wieder an mich. Still sitze ich und spüre in mich hinein. Ja, es ist gut.

Sie schläft. Ich habe mit dem letzten Getränk dafür gesorgt, dass ihre Ruhe für einige Stunden tief und ungestört sein wird. In ihrer kleinen Tasche finde ich den Ausweis und Wohnungsschlüssel. Ich lasse Badewasser einlaufen.

Keine Regung geht über ihr traumfernes Gesicht, als ich sie vom Bett hochnehme und ins Bad trage. Behutsam wasche ich den Körper mit wohlduftenden Essenzen. Sauber und rein trockne ich sie ab, betrachte ein letztes Mal ihre verletzliche Nacktheit und kleide sie in dunkelblaue Seide.

Es klingelt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen. Die Taxifahrerin kennt mich und wird die schöne Unbekannte sicher nach Hause bringen.

Sie war nicht, was ich suche: die Eine, die mich wirklich berührt, die ich erkenne, sobald unsere Gedanken sich begegnen. Wir werden uns verstehen, ohne erklären zu müssen. Unsere Körper werden im Einklang harmonieren und sie wird mein Gefühl an seinen Platz in mir zurückbringen. Für immer.

Ich finde sie, das weiß ich.

Doch heute war ich nur die Jägerin... lesbische Erotik

 

© Maria Eleftheria

 

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