Geschichten die das Leben schreibt...
oder wie wir Katzengrossmütter wurden...
WIR HABEN ES VERPASST
"Sobald sie anfängt den Schwanz zur Seite zu legen, ist es so weit. Dann rufen sie mich an und wir operieren sie."
Die Stimme des Tierarztes war gelassen. Er hatte ja ein jahrelanges Studium absolviert und tagtäglichen Umgang mit diesen Tierspezies! Meine Erfahrung bezüglich der Körpersprache von Katzen war wenig hilfreich.
Geht der Schwanz im Spiel zur Seite, einfach mal eben so, oder zeigt sich damit die Bereitschaft geschwängert zu werden? Auch meine Liebste kannte sich in der Hinsicht nicht aus. Irgendwann stellten wir fest, dass Pebbls Bauch langsam aber stetig dicker und dicker wurde, bis wir sicher sein konnten, der Grund war nicht die gute Ernährung! Nein, wir hatten es tatsächlich verpasst!
Wie viele werden es wohl?
Eine gute Frage bei solch dickem Bauch! Die zukünftige Katzenmama konnte sich kaum mehr richtig hinsetzen! Provokativ wölbte sich uns im Liegen ihre Kugel entgegen.
Lächelnd teilten uns mehrere nette Mitmenschen unabhängig voneinander mit, dass häufig sechs oder mehr Katzenbabys üblich sind.
Schluck! So viele?
Wir beschlossen Ruhe zu bewahren, wälzten Bücher und sammelten Infos. Schließlich wollten wir nicht von dem unbekannten Ereignis überrollt werden!
"Da steht, man soll einen ruhigen Platz anbieten, der mit warmen Decken und Zeitungspapier ausgelegt ist. Wenn die Katze unruhig wird und anfängt das Zeitungspapier zu zerreißen, beginnt es!" las mir meine Freundin vor.
Gut, das war ja schon mal etwas. Fürsorglich richteten wir mehrere Möglichkeiten ein. Alle Körbe und Kisten, die wir fanden, wurden zu Geburtsstätten umfunktioniert. Soweit waren wir vorbereitet.
Nach unserer ungefähren Schätzung musste es bald los gehen. Es kam immer häufiger vor, dass Pebbls unruhig durchs Haus wanderte und offensichtlich einen Platz suchte. Jede Bewegung der Katze wurde von uns nervös registriert.
Es war Freitag, der 6. April, dreizehn Uhr.
Ich saß an meinen Computer, um mich abzulenken, Petra war im Wohnzimmer. Pebbls lag neben ihr auf der Couch.
"Bärchen ..."
Es lag eine ungewohnte Betonung in dem Kosewort.
"... da am Schwanz zwischen den Hinterpfoten, da ist was!"
Die Stimme klang besorgt. Mein Stuhl kippte rückwärts, als ich aufsprang. Die Tastatur klapperte auf den Boden. Unsere Hundedame Frieda, die zu meinen Füßen gelegen und seelenruhig geschlafen hatte, warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu. Mit wenigen Schritten erreichte ich die beiden und schaute mir Pebbls an. Ich nahm ein Stück Zewa und tupfte dieses "Etwas" zwischen Pebbls Hinterpfoten ab, die das sehr ungehörig fand. Sie maunzte mich erbost an!
"Ich glaube, die Fruchtblase ist geplatzt."
Nachdenklich kratzte ich mich am Kopf. Das war meine Vermutung, aber ganz sicher war ich mir nicht. Der hilflose Blick meiner Liebsten zeigte mir, dass ich nun diejenige zu sein hatte, die Ruhe bewahrte.
"Und nun?"
"Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass Pebbls Instinkt gut ausgeprägt ist und sie weiß, was sie zu tun hat!" entgegnete ich. Äußerlich ganz ruhig, flehte ich innerlich, dass es so sein würde! Mir rasten alle Szenarien durch den Kopf, die wir in den Büchern gelesen hatten. Wie zum Beispiel - falls die Wehen über mehrere Stunden gehen, ist zu vermuten, dass ein Kind im Geburtskanal feststeckt oder verkehrt liegt!
Ich versuchte mich zu beruhigen. Mach dich nicht verrückt, wird schon alles gut gehen! Oder wir fahren eben zum Tierarzt. Ich merkte mir sicherheitshalber die Uhrzeit: Kurz vor vierzehn Uhr und es hatte gerade erst begonnen.
Da fiel mir noch etwas ein! Normalerweise kaut die Katzenmutter die Nabelschnur durch. Falls nicht, muss dies mit einer stumpfen Schere vom Menschen gemacht werden, da es sonst sehr schmerzhaft ist! Du liebe Güte! Die einzige stumpfe Schere, die wir besaßen, war die Geflügelschere! Meine ausgeprägte Phantasie vermittelte mir augenblicklich unwillkommene Bilder. Ich glaube, ich falle in Ohnmacht, wenn ich das tue, dachte ich entsetzt! Pebbls riss mich aus meinen Gedanken. Sie begann miauend durch das Zimmer zu rennen.
"Was hat sie denn?" kam irritiert von meiner Liebsten.
"Keine Ahnung!"
Ich ging zu Pebbls, nahm sie auf den Arm und sprach beruhigend auf sie ein. Trug sie von einer Geburtsstätte zur nächsten. Keine schien ihr zu gefallen. Sie sprang jedes Mal wieder heraus und kam zu uns auf die Couch. Ich resignierte.
"Okay! Von mir aus, bekomme die Kinder auf der Couch, wenn du dich ausgerechnet hier wohl fühlst!"
Wir legten vorsichtig eine Decke unter sie.
"Wieso hechelt sie denn so?" fragte Petra besorgt.
"Ich denke, das ist wie bei den Menschen! Frauen sollen doch auch hecheln bei der Geburt, oder? Zumindest habe ich mal gesehen, wie das in einem Vorbereitungskurs geübt wurde! Da schau, jetzt presst sie!"
Pebbls drückte die Hinterpfoten gegen meinen Arm und schrie dabei kläglich. Ich litt mit ihr. Sie drehte und wälzte sich hin und her. Es war bereits eine kleine, blutrote Beule zwischen den Hinterpfoten zu sehen.
"Ich glaube, das erste kommt!" rief ich aufgeregt.
"Echt? So schnell? Ich geh mal eine Weile mit Frieda in den Garten!"
Petra, ziemlich blass im Gesicht, wollte soeben aufstehen, als Pebbls plötzlich von der Couch sprang und maunzend zwei Zimmer weiter rannte. Mit großen Sprüngen überwand sie zielsicher die Treppe zum Hochbett. Petra und ich sahen uns verdattert an. Frieda blickte fragend von einer zur anderen, so als wollte sie sagen - ich dachte das Bett ist verbotene Zone?
"Ganz schön fit für ihren Zustand, findest du nicht?" bemerkte ich.
Wir gingen ins Schlafzimmer und schlichen die Treppe hoch. Pebbls blickte uns flehend an. Sie lag hechelnd auf Petras Bettseite und ich bemerkte, dass die Beule inzwischen noch größer war.
"Was machen wir denn jetzt?" wollte meine Liebste wissen.
"Nun, wenn Pebbls meint, das Bett ist der richtige Ort für die Geburt, so müssen wir das wohl akzeptieren! Mir ist das langsam völlig egal, wo es passiert! Hauptsache, es geht alles gut! Bringst du mir bitte die Decken und das Zewa von unten mit? Ich glaube, da schaut schon das Köpfchen heraus!"
Ich krabbelte ins Bett. Es war gerade genug Platz bis zur Decke, um aufrecht zu sitzen. Petra reichte mir mit zitternden Händen die Sachen.
"Ich lass euch dann erst mal in Ruhe! Ruf mich, wenn du etwas brauchst, okay?"
Ich nickte bestätigend, während ich die Decke unter Pebbls schob. Mit den Vorderpfoten hielt sie meinen rechten Arm fest und schaute mich dabei an, als ob sie sagen wollte - was passiert hier eigentlich mit mir? Lass mich bloß nicht alleine! Beruhigend sprach ich auf sie ein, während ich mit der linken Hand über ihren Körper strich. Es schien ihr gut zu tun. Ein Maunzen leitete die nächste Wehe ein. Mit aller Kraft drückte sie die Hinterpfoten gegen meine Hand. So ging es nun eine Zeit lang - hecheln, pressen, hecheln, pressen. Die Abstände wurden kürzer. Ich hatte inzwischen Schweißperlen auf der Stirn. Ertappte mich dabei, wie ich ebenfalls hechelte und presste. Plötzlich drehte sich Pebbls mehrmals hin und her, schrie, stand auf und da lag es - ein schleimiges, undefinierbares Etwas.
Das hässliche Ding sollte ein Katzenbaby sein?
Pebbls begann eilig den reglosen Körper abzulecken.
Ist es etwa tot, fragte ich mich? Nun wurde ich hektisch und half Pebbls. Zupfte an der schlüpfrigen Haut herum und stellte fest, dass es die Fruchtblase war, die das Neugeborene noch umschloss. Als sie aufgerissen war, kam ein Köpfchen heraus. Pebbls und ich befreiten das reglose, kleine Wesen. Ich überlegte bereits, wie so ein winziges Tier zu beatmen wäre, da hörte ich ein glucksendes Röcheln und der Körper bewegte sich.
Ich atmete tief aus.
"Das erste ist da und es lebt!" rief ich voller Freude. Ganz nebenbei bemerkte ich, dass inzwischen eine Stunde vergangen war.
"Echt? Wundervoll! Wie sieht es denn aus?" kam die erleichterte Stimme meiner Freundin aus dem Wohnzimmer.
"Komm her, schau es dir selbst an! Oder warte besser noch ein wenig, ich glaube Pebbls frisst gerade die Nachgeburt auf und beisst die Nabelschnur durch!"
Ich schluckte, aber ich fiel nicht in Ohnmacht. Tapfer hielt ich weiter durch. Schaute mir fasziniert das Baby an. Pebbls hatte inzwischen die Nabelschnur durchgebissen. Das Kleine, inzwischen recht fit, kommentiert die Prozedur mit leisem, protestierendem Quietschen. Pebbls begann erneut, es mit ihrer rauen Zunge zu bearbeiten. Um so mehr Pebbls leckte, wurde das Wunder sichtbar. Es war gar nicht nackt! Durch die Feuchtigkeit hatte es zunächst so ausgesehen, aber es hatte schon sein Fell! Es war wie bei der Entwicklung eines schwarzweiß Bildes im Entwicklerbad. Nach und nach wurden mehr Einzelheiten sichtbar. Der Kopf war getigert, der Körper weiß mit einem dunklen Punkt am Rücken und zum Schluss kam noch ein rot - weiß - schwarz gescheckter Schwanz zum Vorschein! Was für ein Wunder! Ich war sprachlos. Die Augen noch ganz fest geschlossen, begann es bereits, die Zitzen zu suchen. Petra schaute vorsichtig über die Bettkante.
"Und?" fragte sie leise. Ich gab ihr mit der Hand das Zeichen, näher zu kommen.
"Nee, ist das süß!" flüsterte sie begeistert.
"Also ich finde ja, es sieht eher aus wie ein Hundebaby!" stellte ich fest.
Da begann Pebbls erneut zu hecheln.
"Geht das jetzt schon weiter?"
Ungläubig schaute Petra mich an. Eine halbe Stunde hatte Pebbls Zeit gehabt, sich ein wenig zu erholen. Mit dem Wissen, dass es das erste Mal gut gegangen war, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass es so bleiben würde. Daraus schöpfte Petra den Mut, bei der zweiten Geburt zuzusehen. Ihr Gesichtsausdruck wechselte bei der Betrachtung zwischen Faszination, Schreck, Ekel und der Abschluss war Erleichterung. Schwups, das Zweite war geboren! Der Körper dunkel getigert, der Bauch weiß, robbte es nach der Reinigungsprozedur zu seinem Geschwisterchen. Das Dritte entpuppte sich als fast weiß mit hellbraunen Flecken. Es war sechzehn Uhr und aller guten Dinge drei lagen vor Pebbls Bauch. Wir warteten weitere zwei Stunden. Nichts mehr geschah. Pebbls schnurrte, die Kleinen hatten sich an der Milchbar festgesaugt und schliefen sichtlich zufrieden. Wir hatten uns inzwischen Namen für den Familienzuwachs überlegt - Lucky, Lanzelot und DJ.
"Sag mal? Findest du nicht auch, dass der Bauch von ihr immer noch ganz schön dick ist?"
Petra betrachtete Pebbls nachdenklich.
"Schon, irgendwie... aber Schwangere sind ja nach der Entbindung auch nicht gleich ganz dünn, oder? Meinst du, da kommt noch was?"
"Keine Ahnung! Ich habe nicht die geringste Erfahrung mit Tiergeburten! Mir würden die drei reichen!"
Petra nickte bestätigend. "Mir auch! Sag mal, was hältst du davon, wenn wir den Holzkorb hier ausräumen und ein Lager für Pebbls daraus machen?"
Sie zeigte auf die geflochtene Kiste, in der wir unsere Reservedecken aufbewahrten. Ich fand es eine hervorragende Idee! Er war groß, luftdurchlässig und bot dennoch genug Schutz. Pebbls konnte problemlos hinein, aber die Kleinen kamen alleine nicht heraus. Die Frage war - fand Pebbls das ebenfalls gut? Oder bestand sie jetzt darauf, in unserem Bett zu bleiben? Dann mussten wir wohl oder übel die nächsten Wochen auf der Couch im Wohnzimmer schlafen! Ein Gedanke, der nicht unbedingt meine Zustimmung fand.
Wir räumten den Korb aus, stellten ihn auf den Fußboden unter das Hochbett und lagerten die Familie samt der Decke um.
Argwöhnisch begutachtete Pebbls jede Bewegung, aber sie blieb im Korb. Nach einer Stunde atmeten wir erleichtert auf. Wir durften unser Bett behalten. Inzwischen waren wir völlig groggy und gingen schlafen, oder versuchten es zumindest.
Bei jedem zarten Quietschen wurden wir wach und schauten nach, ob wirklich alles in Ordnung war. Wir wollten Pebbls nichts unterstellen, aber in ihrer Unerfahrenheit könnte sie sich auf die winzigen Babys legen und sie erdrücken, oder?
Hundedame Frieda, die als Leibwächterin vor den Korb lag, blickte uns schon völlig entnervt an, als wir sie zum fünften Mal aus dem Schlaf rissen. Es sollte nicht das letzte Mal sein!
Doch alles ging gut und es kam kein weiteres Katzenbaby über Nacht dazu.
Ziemlich gerädert überstanden wir den nächsten Tag. Wir beschlossen, die Familie ins Wohnzimmer umzusiedeln, damit wir Ruhe hatten. Abends hatte die Müdigkeit uns fest im Griff und wir wollten schlafen gehen. Plötzlich begann Pebbls hektisch herumzurennen und miaute laut.
"Was hat sie denn jetzt schon wieder?"
"Keine Ahnung! Vielleicht muss sie mal? Seit gestern hat sie kein großes Geschäft mehr gemacht! Ich finde das ganz schön lange für das, was sie alles gefressen hat."
Schließlich ist Frau über die Verdauung ihrer Katze gut informiert, da sie bei entsprechender Duftwolke immer mit gerümpfter Nase das Katzenklo sauber macht! Ebenso über die Nahrungsaufnahme! Wir hatten gelesen, dass Hasenfleisch gut für die Milchproduktion ist und prompt einen ganzen Hasen für Pebbls abgekocht! Allerdings schüttelte es mich immer noch, wenn ich an das Verspeisen der Nachgeburt dachte.
Ich sprach besänftigend auf Pebbls ein, streichelte ihren Bauch. Sie wollte sich einfach nicht beruhigen! Ich versuchte, sie ins Katzenklo zu locken.
"Komm her, Süße. Mach Stinkerchen! Dann geht es dir bestimmt besser!"
Zur Unterstützung meiner Worte scharrte ich die Steinchen im Katzenklo geräuschvoll hin und her.
"Ich glaube das nicht! Wenn das jemand sieht, der hält mich für bekloppt!"
Petra kicherte. Pebbls blieb unbeeindruckt und miaute weiter. Auffordernd rannte sie wieder und wieder zur Tür.
"Die will draußen machen!" stellte ich fest.
"Kommt nicht in Frage! Ich habe viel zu viel Angst, dass sie weg ist und ihr etwas passiert! Nachher sitzen wir hier mit den Neugeborenen! Und dann?" protestierte meine Freundin.
Pebbls blieb stur, bis mir der Geduldsfaden riss. Sollte sie doch unter meiner Aufsicht ihr Geschäft verrichten! Pebbls strich durch den Garten. Minutenlang. Mir war kalt. Ich war müde. Aber kein Platz gefiel ihr! Mit einem Satz sprang sie auf die Gartenmauer und wollte tatsächlich abhauen! In letzter Sekunde konnte ich sie gerade noch am Schwanz festhalten.
"Hei! Nicht mit mir! Petra reißt mir den Kopf ab, wenn dir was passiert!"
Ich trug sie zurück ins Haus. Endlich resignierte sie. Wurde ruhig und legte sich in den Korb zu den Kleinen.
"Okay? Können wir jetzt schlafen gehen?" fragte meine Liebste, inzwischen nörgelig, da sie schon den ganzen Tag Kopfschmerzen hatte.
"Ich denke schon."
Wir waren gerade am Einschlafen, als ich das typische Geräusch im Katzenklo hörte. Rasch, rasch, rasch.....
"Du, jetzt geht sie doch!"
"Ja!" grummelte es von der anderen Bettseite unter der Decke hervor.
Es vergingen keine zwei Minuten und ich saß senkrecht im Bett.
War da nicht eben ein unverhältnismäßig lautes Piepen zu hören gewesen? Da! Schon wieder!
"Schatz?"
"Was ist denn jetzt schon wieder?"
"Hör mal! Ich glaube, Pebbls trägt ihre Kinder durch die Wohnung und hat sie vor die Schlafzimmertür gelegt!"
Nun saßen wir beide. Ich machte das Licht an. Beinahe stießen wir mit den Köpfen zusammen, denn nun konnten wir nicht schnell genug vom Hochbett herunter kommen. Das Piepsen war sehr nah und beängstigend laut. In Gedanken sah ich die kleinen, blinden Wesen hilflos im Kabelsalat meines Computers verheddert.
Als wir unten ankamen und die Türe öffneten, blickte Pebbls anklagend zu uns hoch. Vor ihr auf den kalten Fliesen lag laut protestierend Lucky, die Erstgeborene. In der Luft lag ein unverwechselbarer Duft von Katzenstinker. Vorsichtig nahm ich die Kleine hoch. Legte sie wieder zurück zu den anderen beiden, die, inzwischen ebenfalls wach, in das Quietschen eingestimmt hatten. Pebbls sprang zurück in den Korb und begann erneut, eines der Jungen im Genick zu packen um es wegzutragen.
"Hey! Lass das! Was soll das denn?"
Petra und ich schauten uns ratlos an.
"Was machen wir denn jetzt?"
Ich zuckte mit den Schultern und sah sie fragend an.
"Wollen wir den Korb zu uns ins Schlafzimmer tragen? Vielleicht gibt Pebbls dann Ruhe?" schlug Petra vor.
"Ein Versuch ist es wert. Ich mache noch schnell das Katzenklo sauber, das stinkt ja bestialisch! Zumindest müssen wir uns nun keine Sorgen mehr um Pebbls Verdauung machen."
Gesagt, getan - sauber machen, Korb umsetzen, hoffen.
Ich war so aufgewühlt, dass ich noch eine Zigarette rauchte. Meine Liebste hatte sich bereits grummelnd ins Bett verzogen.
Alles blieb ruhig. Hundedame Frieda hatte sich wieder auf die Decke verzogen. Pebbls lag mit den Kindern an der Milchbar aufgereiht und schlief. Vielleicht konnte ich jetzt auch endlich schlafen? Ich begab mich ins Hochbett und kuschelte mich nach einem liebevollen Gute-Nacht-Kuß-der-Dritte in meine Decke ein.
Ein Klappern riss mich erneut aus dem Schlaf! Ein Blick auf die Uhr zeigte, es war gerade mal eine Stunde vergangen.
"Ah!"
Mein erschreckter Ausruf hatte auch Petras Nachtruhe beendet. Etwas Haariges war an meinem Gesicht vorbei gestrichen.
Sehr missgestimmt kam von der anderen Bettseite: "Was ist denn nun schon wieder?!"
Ich machte erneut Licht.
"Pebbls! Was machst du denn hier? Warum bist du nicht bei deinen Kindern?"
Sie stupste mich mit dem Kopf an, schnurrte und warf sich auf den Rücken. Für diejenige, die keine Katzenkörpersprache beherrschen, das bedeutet - bitte streicheln!
"Das ist deine Katze! Also mach was!"
In solchen Situationen wird sehr schnell das Besitzrecht klargestellt. Ich konnte Petra allerdings gut verstehen. Meine Geduld war ebenfalls aufs Äußerste strapaziert. Aber wer kann bei solch treuem Katzenblick schon nein sagen? Ich jedenfalls nicht. Also streichelte ich, bis sie genug hatte und sich wieder vom Bett trollte. Licht aus, in die Decke kuscheln und nach einiger Zeit, als das Begrüßungsquieken der Babys verstummt war, den nächsten Einschlafversuch starten.
Sechs Uhr früh! Der Katzenkopf rieb mich erneut wach.
"Pebbls! Du nervst!" zischte ich ganz leise, in der Hoffnung, dass die Ohrstöpsel meiner Liebsten noch in den Ohren waren und sie nicht wach wurde. Unbeirrt trampelte Pebbls über mich hinweg Richtung andere Bettseite. Schlaftrunken bekam ich sie im letzten Moment zu fassen und zog sie zurück. Streichelte sie, soweit mir dies unkoordiniert im Halbschlaf möglich war. Nach zehn Minuten stand sie auf. Ich, voller Hoffnung sie verzieht sich zu den Kindern, spürte, wie sie über meine Beine wieder Petras Richtung einschlug. Ich setzte mich auf, packte sie und startete erneut einen beruhigenden Streichelversuch. Das hielt ich eine dreiviertel Stunde durch. Liegen, streicheln, sitzen, streicheln, hin und her, bis, ja, bis es Pebbls zu blöd wurde! Sie wollte auf die andere Bettseite und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ist sie mindestens ebenso stur wie ich! Ihr Sprung ließ die Wasserflasche, die auf der Ablage stand, mit lautem Knall umfallen. Ich zuckte in Erwartung von Petras Wutausbruch zusammen. Pebbls haute ab! Ich hörte ihre Pfoten die Treppe hinunter trappeln.
Nichts! Es blieb absolut still neben mir!
Da stimmt doch was nicht, dachte ich. So fest können die Stöpsel deine Ohren gar nicht verschließen! Ist irgendwas heute Nacht mit dir passiert und ich habe es nicht gemerkt? Mein Herz krampfte sich vor Schreck zusammen. Panisch suchte ich den Schalter und riss dabei die Lampe herunter. Als ich endlich das Licht an hatte, bot sich ein überraschender Anblick - das Bett neben mir war leer! Ich konnte es nicht fassen! Da bemühte ich mich, den Schlaf meiner Liebsten nicht zu stören und sie lag gar nicht neben mir! Ich warf die Bettdecke zur Seite und stand auf.
Im Wohnzimmer auf der Couch lag Petra und begrüßte mich mit:
"Guten Morgen! Na, auch schon wach?"
"Was machst du denn hier unten?"
Sie erklärte mir, dass sie bereits über eine Stunde auf der Couch lag, da sie mich nicht stören wollte! Der Versuch, noch ein wenig zu schlafen, scheiterte bei ihr daran, dass Hundedame Frieda die Gelegenheit ergriff, sich Schmuseeinheiten zu holen! Und ich hatte oben im Bett mit Pebbls gekämpft!
Tja, so ist das mit der Liebe, ob zwischenmenschliche oder Tierliebe! Aber wir hatten uns das ja selbst eingebrockt, denn - wir haben es eben verpasst...
© Maria Eleftheria
